Umstieg auf manuellen Fokus

Nanu, ein Lebenszeichen? Ja es gibt mich tatsächlich noch und gelegentlich füttere ich die Galerien meiner Seite noch mit neuen Bildern, hier am Blog gab es aber schon lange nichts mehr Neues zu lesen.

 

Ich habe es gewagt und den Umstieg von Autofokus auf manuellen Fokus durchgezogen. Meine Zwei Sigma Art Objektive (50mm f1.4, 35mm f1.4) habe ich durch zwei Zeiss Objektive aus der Milvus Reihe (50mm f1.4, 35mm f2) ersetzt. In Zeiten in denen immer schnellerer und präziserer Autofokus ein viel genutztes Werbeargument ist sicherlich ein bisschen ungewöhnlich, aber auch beim manuellen Fokussieren profitiert man von den Fortschritten der Technik, mehr dazu später.

Also warum der Wechsel? Warum sollte ich von zwei der schärfsten Objektiven mit (nach Kalibration) zuverlässigem Autofokus auf zwei Objektive wechseln die weniger scharf abbilden und vor Allem keinen Autofokus bieten? Eine objektive und rationale Antwort gibt es nicht. Wer Spaß daran hat manuell scharf zustellen wird es verstehen, wer bisher nur mit Autofokus gearbeitet hat und noch nie ein Objektiv mit manuellem Fokus an der Kamera hatte wird hier eher mit den Schultern zucken. Manuell zu fokussieren gibt nochmal ein komplett anderes Gefühl beim Fotografieren. Vorausgesetzt die Kamera befindet sich im manuellen Modus muss man als Fotograf Alles selbst einstellen, von Belichtung bis zum Fokus und muss sich so mehr Gedanken um das Bild machen. Ich empfinde es eher als Segen und es macht Spaß Alles selbst einzustellen (zu müssen), vor allem wenn die Ergebnisse einer Automatik in nichts nachstehen bzw. sogar noch besser werden.

 

Man kann Objektive die für manuellen Fokus ausgelegt nicht mit manuellem Fokus an Autofokusobjektiven vergleichen. Das Feedback ist ein gänzlich anderes, auch wenn z.B. Sigma inzwischen versucht dem Fokusring einen ähnlich gedämpften Lauf zu geben wie man es bei der überwiegenden Anzahl an alten Objektiven findet. Was Sigma allerdings immer noch fehlt ist ein längerer Fokusweg bzw. ein bessere Haptik. Während beim 50mm Art nach knapp über 90° Schluss ist dreht das Zeiss stolze 225° von der Naheinstellgrenze bis Unendlich. Wobei der Fokusweg nicht das Entscheidende sein muss. Mein Nikon 50mm Series-E weist einen ähnlichen Fokusweg wie mein altes Sigma Objektiv auf, trotzdem ist das manuelle scharfstellen mit dem Nikon um ein vielfaches einfacher, der Fokusring des Sigmas ein merkliche Losbrechmoment besitzt was feine Fokusänderung schwierig macht.

 

Ein weiterer Grund die Objektive zu wechseln war für mich auch, dass bei mir inzwischen eine analoge Kamera eingezogen ist. Da meine Nikon FM vollmechanisch ist kann sie den Blendenmechanismus der Sigma Objektive nicht steuern, sodass sämtliche Bilder mit kleinster Blende aufgenommen werden (in dem Fall f16). Dies ist allerdings kein  Die Kamera benötigt Objektive mit Blendenring, sogenannte Ai Nikkore (Ai steht für Auto Indexing und erlaubt der Kamera zu erkennen welche Blende am Objektiv eingestellt ist, relativ zur Offenblende). Somit gab es zumindest einen Praktischen Grund für den Wechsel, da ich so mit nur einen „Objektivpark“ auskomme anstatt für jede Kamera Objektive kaufen zu müssen (und später auch schleppen).

 

Wie fokussiert man nun am besten nun am besten an digitalen Spiegelreflexkameras deren Mattscheiben mehr für die Nutzung mit Autofokusoptiken ausgelegt sind (Der Sucher ist heller, dafür ist der Fokuspunkt schwieriger zu erkennen).
Eine Lösung, wie ich sie auch für statische Aufnahmen vom Stativ bevorzuge, ist es über die Lupe im Liveview zu fokussieren. Für Portraits ist diese Methode allerdings ungeeignet, da das Model in der Zeit die man zum Fokussieren benötigt ein kleines Nickerchen machen könnte.
Möglichkeit zwei wäre über eine geeignete Mattscheibe mit Schnittbildindikator. Dies wird die schnellste Lösung sein, wenn man das Model allerdings außermittig platziert wird man hier bei offenblendigen Aufnahmen schnell Fokusfehler durch das nötige Verschwenken sehen. Abblenden hilft hier den Fehler etwas abzuschwächen.
Als letzter Weg kann man auch das nutzen was jede Kamera schon mitbringt und als Fokusindikator einen deutlich größeren Bereich abdeckt als ein Schnittbildindikator: Das Autofokusmodul. Ich wähle dabei wie auch mit Autofokusobjektiven den Fokuspunkt aus, wo später im fertigen Bild die Augen des Models sein werden, stelle zuerst „nach Sicht“ scharf, und nutze für die letzten Winkelsekunden den Fokusindikator der Kamera. Bei Nikon gibt es praktischerweise noch Pfeile die anzeigen in welche Richtung man den Fokusring drehen muss (siehe Bilder). Bei Canon leuchten bei halb gedrücktem Auslöser die Fokuspunkte auf unter denen das Objekt scharf ist.

Schaut man also einmal über den Tellerrand des Autofokus öffnet sich eine völlig neue Welt mit vielen neuen (bzw. alten) Objektiven. Das aktuelle F-Bajonett für Nikon gibt es schon seit 1959 und somit sind alle Nikon Objektive seit dann grundsätzlich nutzbar. Man muss im Vergleich zu aktuellen Objektiven lediglich leichte Abstiche machen was Bildschärfe und Korrektur auf Bildfehler angeht, dafür erhält man Objektive die ihren eigenen Charme haben und ihren eigenen Bildlook mitbringen, da sie z.B. die Unschärfe des Bildes völlig anders darstellen als man es von modernen Objektiven gewohnt ist. Das bekannteste Beispiel wären hier die Bubble Bokeh Russenobjektive (z.B. Helios 40-2).

 

Wer sich dafür interessiert das manuelle Fokussieren mal auszuprobieren, dem kann ich empfehlen via Ebay oder anderen Handelsplattformen ein günstiges manuelles 50er zu kaufen. Ich habe den Einstieg ins manuelle Fokussieren mit einem Nikon Series-E 50mm f1.8 „Pancake“ gewagt, ein Objektiv das auf dem Gebrauchtmarkt zwischen 20€ und 50€ zu erhalten sein sollte und somit ohne nennenswerten Wertverlust wieder verkaufbar ist sollte das manuelle Fokussieren nicht liegen.

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